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Defizitärer Blick (Medienpädagogik)
Wahrnehmungs-Tendenz, Kinder und Jugendliche vor allem als gefährdet und unmündig zu sehen. Entsteht oft bei Berufen, die nur Eskalationen erleben (Klinik, Schul-Disziplin) — verdrängt die Kompetenzen und Aushandlungs-Leistungen der Heranwachsenden.
<h3>Defizitärer Blick</h3><p>Pädagogisch-soziologischer Begriff für eine Wahrnehmungs-Tendenz: Kinder und Jugendliche werden überwiegend als <em>gefährdet</em>, <em>unmündig</em> oder <em>überfordert</em> wahrgenommen. Ihre tatsächlichen Kompetenzen, Lösungs-Strategien und Aushandlungs-Leistungen geraten aus dem Blick.</p><p><strong>Wie entsteht er?</strong></p><ul><li>Wer beruflich nur Notfälle sieht (z. B. eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine Lehrkraft als Disziplin-Instanz), erlebt eine extreme Stichprobe der Kindheit.</li><li>Eltern, die nur über Beleidigungs-Screenshots zur Lehrkraft kommen, prägen das Bild ‚in dieser Klasse läuft alles schief‘.</li><li>Mediendebatten verstärken die Logik durch Risiko-Schlagzeilen.</li></ul><p><strong>Bezug zur Folge 83:</strong> Anna Grebe und Ralf Willius diagnostizieren den Eröffnungsvortrag eines Kinder- und Jugendpsychiaters als beispielhaft defizitär — Kinder als ‚unmündig‘ dargestellt, Eltern fast ausgeblendet. Moritz Becker erzählt das Gegenstück: ein Klassenlehrer, der erst durch das Unterrichts-Setting erfährt, wie kompetent seine Klasse einen Konflikt im Gruppenchat selbst gelöst hat.</p><p><strong>Gegenbegriff:</strong> kompetenzorientierter / ressourcenorientierter Blick.</p>