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Empfundene Beziehung (Chatbot)

Pädagogisch-psychologisches Konzept aus Folge 72: Im Gespräch mit einer KI wie ChatGPT entsteht über Zeit eine subjektiv empfundene Beziehung — die Person erhofft sich nicht nur Information, sondern Beratung und Begleitung. Das macht Chatbots in Krisen qualitativ heikler als Suchmaschinen.

<h3>Empfundene Beziehung (Chatbot)</h3><p>Begriff, der in Folge 72 (smiley e.V., 08.09.2025) von Moritz Becker geprägt wird, um einen kategorialen Unterschied zwischen klassischer Internet-Recherche und KI-Chatbot-Nutzung zu beschreiben.</p><p><strong>Definition:</strong> Bei einer Suchmaschine sucht man Information — und schließt das Browser-Tab. Bei einem Chatbot wie ChatGPT wird über mehrere Sitzungen ein Gespräch fortgesetzt, das subjektiv den Eindruck erzeugt, mit einem antwortenden Gegenüber zu sprechen. Diese <em>empfundene Beziehung</em> ist keine echte Beziehung — der Chatbot hat keine Verantwortung, kein Erinnerungsvermögen jenseits seiner Trainings- und Sitzungsdaten und keine moralische Selbstverpflichtung.</p><p><strong>Risiko in Krisen:</strong> Menschen in psychischen Krisen suchen oft genau das, was die empfundene Beziehung suggeriert: jemanden, der zuhört. Dass der Chatbot dabei keine echte Hilfe leisten kann (und im schlimmsten Fall sogar gefährliche Anleitungen gibt), wird subjektiv kaum wahrgenommen.</p><p><strong>Pädagogische Konsequenz:</strong> Mit Kindern und Jugendlichen explizit darüber sprechen, was ein Chatbot ist — und was er <em>nicht</em> ist. In Krisen <em>echte</em> Personen ansprechen oder Anlaufstellen wie die Nummer gegen Kummer (116 111) oder juuuport nutzen.</p><p><strong>Verwandte Begriffe im Glossar:</strong> Vermenschlichung von Chatbots, Halluzination (KI-Antwort), Raine v. OpenAI.</p>