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Babystar — Wenn Eltern das Leben ihrer Kinder öffentlich machen

Sharenting, Familien-Influencer und das Recht von Kindern auf Privatsphäre — entlang des Films Babystar (Kinostart April 2026) und der Stellungnahme der Bundestags-Kinderkommission. Vier Lektionen, ein Quiz pro Lektion.

4 Lektionen
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Lektion

1.1 · Was ist Sharenting — und ab wann wird es problematisch?

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Sharenting — wenn das Familienleben Content wird

Sharenting setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern share (teilen) und parenting (Elternschaft). Gemeint ist das öffentliche Teilen von Inhalten über das eigene Kind in Social Media — Fotos, Videos, Anekdoten aus dem Alltag, Schulnoten, kleine Wutanfälle, peinliche Erlebnisse.

Drei Ebenen, die man unterscheiden sollte

  • Privates Teilen. Eltern posten Bilder im engen Familienchat oder im halböffentlichen Status. Kreis: 30–80 Personen. Fast immer unproblematisch — solange das Kind groß genug ist, um zustimmen oder widersprechen zu können.
  • Öffentliches Teilen ohne Reichweite. Profil ist offen, aber nur wenige folgen. Hier beginnt die Datenspur — die Bilder bleiben auffindbar, auch wenn sie selten angeschaut werden.
  • Kommerzielles Sharenting (Family-Influencing). Eltern haben fünf-, sechs- oder siebenstellige Followerzahlen, vermarkten ihren Familienalltag und verdienen Geld damit. Hier wird das Kind zum Geschäftsmodell.

Faustregel: Je größer die Reichweite und je deutlicher der wirtschaftliche Anreiz, desto schwerer wiegt die Frage: Würde das Kind, wenn es 18 wäre, dem heutigen Posting zustimmen?

Der Fall Babystar — Familie als Geschäftsmodell

Im April 2026 startete der Spielfilm Babystar von Joscha Bongard in den deutschen Kinos. Die Geschichte: Die 16-jährige Luca lebt seit ihrer Geburt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit — ihre Eltern sind Familien-Influencer mit Millionen Followern. Als die Eltern ein zweites Kind planen, beginnt Luca zu ahnen, wie wenig von ihr selbst eigentlich übrig ist.

Im Podcast schildert Regisseur Joscha Bongard eine Schlüsselszene: Luca soll im Familien-Podcast erzählen, wie sehr sie sich auf das Geschwisterkind freut. Sie will nicht. Die Mutter sagt im milden Ton: „Du musst nichts machen, was du nicht möchtest.“ Im Unterton: Wenn du nicht mitmachst, kostet das Geld und Reichweite.

Aus der Praxis (Silke Müller, Digitalbotschafterin Niedersachsen): In einer Sportgruppe wurde abgestimmt, ob Kindergesichter in figurbetonter Sportkleidung weiter öffentlich gepostet werden sollen. Über die Hälfte der Eltern stimmte dafür. Begründung: „Ist doch süß. Hat was mit Wertschätzung zu tun.“ Die psychosozialen Risiken — Datenklau, KI-Manipulation, Cyber-Grooming — waren den Eltern nicht präsent.

Das Kind als Beteiligte — nicht als Objekt

Die zentrale Frage der Folge lautet nicht, ob Eltern posten dürfen, sondern wessen Geschichte dort eigentlich erzählt wird. Joscha Bongard im Podcast: „Alles, was man in der Familie erlebt, findet man als Kind erst einmal normal.“ Ein Kind, das von Geburt an für die Kamera lächelt, hat keinen Vergleich. Es weiß nicht, dass ein Leben ohne Filter und ohne Likes auch denkbar ist.

Reflexionsfragen

  • Welche der drei Ebenen (privat, halböffentlich, kommerziell) gilt für die Postings, die Sie selbst über Kinder oder Schüler:innen machen?
  • Würde das Kind, wenn es 18 ist, dem heutigen Bild zustimmen?
  • Wer hat etwas davon, dass das Bild öffentlich ist — das Kind oder Sie?
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Lernzettel · Lektion 1.1

  • Sharenting = öffentlich Teilen von Inhalten über das eigene Kind in Social Media.
  • Drei Ebenen: privat (Familienchat) — halböffentlich (offenes Profil, kleiner Kreis) — kommerziell (Family-Influencer mit Reichweite und Geld).
  • Schlüsselfrage: Würde das Kind mit 18 dem heutigen Posting zustimmen?
  • Babystar (Joscha Bongard, April 2026): Spielfilm über die 16-jährige Luca als Tochter zweier Familien-Influencer — zentral die Szene, in der die Mutter „du musst nichts machen“ sagt, aber Erwartungsdruck mitschwingt.
  • Aufmerksamkeitsökonomie: In einer Welt, in der Sichtbarkeit Wert ist, werden Kinder leicht zum Content.